Das Interview mit Wirtschaftslandesrat Achleitner vom vergangenen Samstag habe ich mit Interesse gelesen. Die genannten Fortschritte bei Energieeffizienz, erneuerbarem Strom und sinkenden Emissionen sind grundsätzlich positiv und anzuerkennen. Gleichzeitig bleibt für mich eine zentrale Frage offen: Reichen diese Maßnahmen aus, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 tatsächlich zu erreichen?
Ein Rückgang der Treibhausgasemissionen um 18 Prozent seit 2005 ist ein Schritt in die richtige Richtung, ersetzt aber keinen klaren Plan für die kommenden Jahre. Als Bürger würde ich mir wünschen, dass nachvollziehbar dargestellt wird, wie die verbleibenden Emissionen bis 2040 (bzw. -48% bis 2030) weiter reduziert werden sollen und wie dies in eine übergeordnete Klima- und Energiestrategie des Landes eingebettet ist (danach wurde im Interview erst gar nicht gefragt).
Sehr widersprüchlich erscheint in diesem Zusammenhang auch die Förderung des Flugverkehrs. Eine mit öffentlichen Mitteln unterstützte Flugverbindung lässt sich aus meiner Sicht nur schwer mit langfristigen Klimazielen vereinbaren, selbst wenn begleitende Effizienzmaßnahmen gesetzt werden; denn die CO2-Emissionen des Fluges selbst werden dabei komplett ausgeklammert – und diese machen mit Sicherheit den Löwenanteil aus.
Noch absurder wird es, wenn man die weiteren kontraproduktiven Aktivitäten der Landesregierung betrachtet: denn gleichzeitig das Klimaticket OÖ um 19% zu verteueren, während fossile Flugverbindungen subventioniert werden sollen hat seinen Top-Platz in Faschingssitzungen verdient. Ein klimapolitischer Geisterflug sozusagen.
Klimaneutralität ist ein wichtiges Ziel für unsere Kinder und Enkel. Umso hilfreicher wäre es, den Weg dorthin klar, konsistent und für die Bevölkerung verständlich darzustellen. Auch die Klima- und Energiestrategie des Landes bleibt hier die Antwort schuldig.
Erich Winter
Bericht/Interview in den OÖ Nachrichten: Klimaneutral bis 2040? Achleitner: „Wir arbeiten daran“
