Linz, 10.04.2026. Mit Unverständnis und Empörung reagiert die Klima-Allianz OÖ auf den jüngsten Beschluss der schwarz-blauen Landesregierung, den Ausbau der Windkraft in Oberösterreich weiterhin faktisch zu blockieren.
Der Beschluss fällt in eine Zeit, in der Öl und Gas auf den Weltmärkten knapper und teurer werden. „Die letzten Wochen haben gezeigt, was passiert, wenn man sich von ausländischer Willkür abhängig macht. Mit dem ideologiebetriebenen Schutz der Trachtenkulisse lässt sich keine Industriepolitik und Standortsicherung betreiben. Die wettbewerbsfähigsten Regionen der Weltwirtschaft setzen längst auf erneuerbare Energien.”, so Sandra Weilnböck von der Klima-Allianz OÖ.
Besonders pikant: Energielandesrat Markus Achleitner war just an jenem Tag, an dem bekannt wurde, dass Oberösterreich bei den EU-verpflichtenden Beschleunigungszonen für erneuerbare Energien auf der Bremse steht, auf „Energiewendetour” im Mühlviertel – mit dem Versprechen eines „konsequenten Ausbaus erneuerbarer Energien”. Die Realität sieht anders aus.
„Eine Landesregierung, die selbst die Forderungen der Wirtschaftskammer und großen Industrieunternehmen wie der voestalpine nach Windkraftausbau ignoriert, hat ihre Wirtschaftskompetenz verwirkt.”, stellt Weilnböck fest.
„Wir überweisen unsere Steuergelder an ausländische Regime, anstatt hier durch Investitionen in Forschung und Entwicklung die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes zu sichern. Wer Milliarden in fossile Subventionen steckt statt in heimische Energie, dem nehmen wir nicht mehr ab, dass er sich für den kleinen Mann einsetzt.”, so Josef Winter, Obmann der Klima-Allianz OÖ.
„Österreichische Investoren in erneuerbare Energie werden von der Landesregierung als profitgierig abgestempelt – als ob fossile Konzerne das ehrenamtlich machen würden”, so Weilnböck.
Oberösterreich verfügt laut einer Ausarbeitung von Energiesprecher Dr. Erwin Reichel über ein Windkraftpotenzial von etwa 450 Anlagen mit einer Erzeugungskapazität von über 5.000 GWh – ca. 8% Prozent des gesamtösterreichischen Stromverbrauchs. Der Strombedarf der oberösterreichischen Industrie liegt derzeit bei etwa 8000 GWh. Mit der zunehmenden Elektrifizierung wird sich dieser etwa verdreifachen. Sich nur auf den PV Ausbau zu verlassen, würde zu einem Produktionsstillstand in den Wintermonaten führen.
Besonders absurd zeigt sich die Blockadehaltung am Beispiel Laussa: Eine Familie betreibt dort seit 1996 erfolgreich Windkraft – mit Rückhalt in der Bevölkerung. Durch Repowering könnte der Windpark künftig viermal so viele Haushalte versorgen. Die Landespolitik verweigert die Unterstützung.
„Wir fordern die Landesregierung auf, konkrete Berechnungen vorzulegen: Wie soll der Wirtschaftsstandort OÖ im Jahr 2040 günstig und ganzjährig mit Energie versorgt werden – ohne Windkraft? Diese Antwort bleibt Schwarz-Blau bis heute schuldig.”, fordert Dr. Erwin Reichel, Energiesprecher der Klima-Allianz OÖ.
Links / weitere Informationen:
- OÖ Energiebericht: https://www.land-oberoesterreich.gv.at/files/publikationen/energiebericht.pdf
- Transformation für die Stahlindustrie (wissenschafltiche Publikation): https://link.springer.com/article/10.1007/s00501-025-01595-4
Update 10.4.2026 / 15:40
Stelzer stellt Achleitner-Entscheidung infrage – Klima-Allianz OÖ sieht sich bestätigt
Noch am selben Tag, an dem die Klima-Allianz OÖ die Windkraft-Blockade der Landesregierung kritisierte, stellt Landeshauptmann Thomas Stelzer die Entscheidung seines eigenen Energielandesrates öffentlich infrage. „In dieser Frage ist das letzte Wort noch nicht gesprochen”, sagte Stelzer gegenüber der Kronen Zeitung – und beauftragte den Verfassungsdienst des Landes mit einer rechtlichen Prüfung. Stelzer warnt ausdrücklich vor „Schnellschusspolitik” – ein klarer Seitenhieb gegen Achleitner und den Koalitionspartner FPÖ. Jüngste Aussagen von Landeshauptmann Thomas Stelzer zum Thema lassen darauf schließen dass Wirtschaftskompetenz Industriepolitik und Standsicherung in der ÖVP noch einen kleinen Restwert besitzen.
„Wenn selbst der Landeshauptmann seinem eigenen Energielandesrat öffentlich in den Arm fällt, zeigt das: Auch innerhalb der ÖVP ist diese Blockadehaltung nicht mehr haltbar.”, so Sandra Weilnböck von der Klima-Allianz OÖ. „Wir nehmen Stelzer beim Wort – und erwarten eine rechtliche Prüfung, die tatsächlich im Interesse des Wirtschaftsstandorts OÖ endet.”
Von Landeshauptmann Thomas Stelzer zum Thema ordnungsgemäß Ablauf von Genehmigungsverfahren und dem Vermeiden von Schnellschüssen bzgl. Windkraft lassen darauf hoffen, dass manchen Teilen der ÖVP Wirtschaftskompetenz Industriepolitik und Standortsicherung wichtiger sind als Rückwärtsgerichtete Trachtenromantik und vorauseilender Gehorsam gegenüber dem Koalitionspartner.“
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