Linz, 15. April 2026 – Fossile Energie betrifft uns alle: beim Tanken, bei der Heizrechnung und immer öfter auch dann, wenn Extremwetterereignisse unseren Alltag durcheinanderbringen. Die Klima-Allianz Oberösterreich begrüßt daher ausdrücklich den Antrag der Grünen im Linzer Gemeinderat, dass die Stadt Linz die internationale “Fossil Fuel Treaty” Initiative offiziell unterstützt. Weltweit haben sich bereits nahezu 200 Städte und Regionen diesem Bündnis angeschlossen, um gemeinsam einen fairen, verbindlichen und sozial gerechteren Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas voranzubringen.
„Den Ausstieg aus fossiler Energie weiter hinauszuzögern ist brandgefährlich – für unser Klima ebenso wie für unsere Energieversorgung und den Industriestandort Oberösterreich“, betont Erwin Reichel, Vorstand der Klima-Allianz OÖ. „Wenn die Stadt Linz bei der Gemeinderatssitzung am 23.4.2026 diesen Schritt setzt, übernimmt sie Verantwortung und setzt ein Zeichen für die aktive Mitgestaltung einer fossilfreien Zukunft“.
Auch Josef Winter, Obmann der Klima-Allianz OÖ, unterstreicht die Dringlichkeit:
„Fossile Abhängigkeit kostet uns doppelt – durch steigende Energiepreise und durch die enormen Folgekosten der Klimakrise. Städte können und dürfen nicht warten, bis auf Bundes- oder internationaler Ebene alles entschieden ist. Sie haben die Möglichkeit, jetzt zu handeln und Vorbilder für andere Gemeinden zu sein.“
Fossil Fuel Treaty als Ergänzung zum Pariser Abkommen
Ein Fossil Fuel Treaty (fossilfueltreaty.org) als internationaler Vertrag zum fairen und konsequenzen Fossilausstieg, versteht sich als handlungsfähige Ergänzung zum Pariser Klimaabkommen. Während bisher vor allem Emissionsziele im Fokus standen, setzt diese internationale Initiative genau dort an, wo das Problem beginnt: bei der fortgesetzten Nutzung von Kohle, Öl und Gas. Ziel ist ein global abgestimmter, gerechter und planbarer Ausstieg aus fossiler Energie – mit klarer Perspektive für Regionen, Wirtschaft und Bevölkerung.
Erstmals findet dazu vom 24.-29. April 2026 in Santa Marta, Kolumbien, die Transitioning-Away Konferenz statt, die von den Niederlanden mitorganisiert und von 80 Staaten, Österreich inkludiert, als Teil der Belém Deklaration mitgetragen wird. Inhaltlich setzt der Fahrplan darauf ökonomische Abhängigkeiten zu überwinden, Erzeugung und Bedarf gerecht zu transformieren und die internationale Zusammenarbeit zu stärken. Die rein gewinnorientierten Interessen großer Fossilunternehmen bleiben dabei dezidiert hinten angestellt.
Warum der Beitritt für Oberösterreich besonders relevant ist
Gerade in Oberösterreich hätte der Beitritt von Linz eine besondere Signalwirkung. Das Bundesland ist stark industriell geprägt, hat einen hohen Energiebedarf und ist vielerorts noch von fossilen Strukturen abhängig. Daraus ergeben sich zentrale Herausforderungen:
- Industrie und Energiebedarf: Eine verlässliche und leistbare Energieversorgung ist entscheidend für Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Ein klar geplanter Umstieg auf erneuerbare Energie schafft Planungssicherheit für Betriebe und Beschäftigte.
- Zu langsamer Ausbau erneuerbarer Energie: Trotz großer Potenziale bei Sonne und Wind geht der Ausbau in Oberösterreich oft zu langsam voran. Das erhöht insbesondere in den Wintermonaten die Abhängigkeit von fossilen Importen.
- Heizen mit Öl und Gas: Noch immer sind viele Haushalte an Gas- und Ölheizungen gebunden. Förderungen sind wichtig, brauchen aber einen klaren und verbindlichen Ausstiegsplan.
- Fehlende Verbindlichkeit: Strategien und Zielbilder gibt es viele – entscheidend sind konkrete Schritte, transparente Umsetzung und soziale Absicherung, damit niemand zurückgelassen wird.
„Der Beitritt zum Fossil Fuel Treaty ist mehr als Symbolpolitik“, sagt Sandra Weilnböck, Vizeobfrau der Klima-Allianz OÖ. „Er zeigt, dass auch in einer starken Industrieregion wie Oberösterreich der Ausstieg aus fossiler Energie möglich und sinnvoll ist – wenn er bewusst, geplant und gemeinsam gestaltet wird.“
Steigende Energiepreise, geopolitische Krisen und zunehmende Extremwetterereignisse machen deutlich: Der Status quo ist keine Option. Der Ausstieg aus fossiler Energie ist keine ferne Utopie, sondern eine reale Aufgabe der Gegenwart.
