Klima-Allianz OÖ: Nicht die Energiewende gefährdet unsere Versorgungssicherheit – sondern die Folgen der Klimakrise für unser bisheriges Energiesystem.
Die Berichte des ORF Oberösterreich vom gestrigen Mittwoch zeichnen ein eindeutiges Bild: Rund 30 Prozent weniger Strom aus Wasserkraft, erhöhte Waldbrandgefahr, anhaltende Trockenheit und sinkende Wasserstände sind keine voneinander unabhängigen Ereignisse. Für uns sind sie Ausdruck derselben Entwicklung – der fortschreitenden Klimakrise.
Besonders alarmierend ist, dass die Stromproduktion aus Wasserkraft derzeit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegt. Gleichzeitig betonen sowohl die Energie AG als auch der Verbund, dass für eine sichere Energieversorgung künftig deutlich mehr Windkraft, Photovoltaik und Stromspeicher notwendig sind. Aufgrund der geringen Wasserführung muss bereits heute teilweise Strom importiert beziehungsweise auf Gaskraftwerke zurückgegriffen werden.
Für uns ist deshalb klar:
Nicht die Energiewende gefährdet unsere Versorgungssicherheit. Die eigentliche Gefahr für unser Energiesystem ist die Klimakrise selbst.
Die vergangenen Tage zeigen deutlich, dass sich ein Energiesystem, das stark von natürlichen Wasserständen abhängt, an veränderte klimatische Bedingungen anpassen muss. Genau deshalb brauchen wir einen ausgewogenen Energiemix aus Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und Biomasse – ergänzt durch moderne Speichertechnologien und intelligente Stromnetze.
Gerade Oberösterreich hat beim Ausbau der Windkraft in den vergangenen Jahren wertvolle Zeit verloren. Gleichzeitig werden vielerorts Projekte für erneuerbare Energien oder Stromspeicher noch immer verzögert oder politisch ausgebremst. Die aktuellen Entwicklungen zeigen jedoch deutlich: Jeder weitere Aufschub erhöht unsere Abhängigkeit von Stromimporten und fossilem Erdgas.
Klimaschutz ist Versorgungssicherheit
Die Auswirkungen der Klimakrise verursachen bereits heute hohe volkswirtschaftliche Kosten: geringere Stromproduktion aus Wasserkraft, höhere Importabhängigkeit, zusätzlicher Einsatz fossiler Kraftwerke, zunehmende Waldbrandgefahr sowie steigende Belastungen für Landwirtschaft, Gemeinden und Einsatzorganisationen.
Jeder Euro, den wir heute in Klimaschutz investieren, spart morgen ein Vielfaches an Schadens- und Folgekosten.
Jetzt die richtigen Weichen stellen
Wir fordern die Landespolitik auf, die Energiewende endlich mit der notwendigen Konsequenz voranzutreiben.
Dazu gehören insbesondere:
- der rasche Ausbau von Photovoltaik und Windkraft (inkl. Abschaffung der Windkraft-Verbotszonen),
- eine gezielte Förderung von Stromspeichern – von Heimspeichern, bi-direktionalen Ladestationen bis hin zu (regionalen) Netzspeichern,
- der beschleunigte Ausbau intelligenter Stromnetze,
- eine konsequente Elektrifizierung des Verkehrs gemeinsam mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Ladeinfrastruktur,
- mehr Maßnahmen zur Klimaanpassung wie Wasserrückhalt, Entsiegelung und klimafitte Wälder.
Stromspeicher spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie ermöglichen es, tagsüber erzeugten Solarstrom auch in den Abend- und Nachtstunden zu nutzen, entlasten die Stromnetze und erhöhen die Versorgungssicherheit. Ebenso kann die Elektromobilität künftig durch bidirektionales Laden einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität leisten.
Lösungen liegen längst auf dem Tisch
Oberösterreich verfügt über hervorragende Voraussetzungen für eine sichere, saubere und leistbare Energieversorgung. Sonne, Wind, Wasser und Biomasse ergänzen einander. Moderne Speichertechnologien und intelligente Stromnetze sorgen dafür, dass erneuerbare Energie dann verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird.
Die technischen Lösungen sind bekannt. Das notwendige Know-how ist vorhanden. Immer deutlicher wird auch die Unterstützung durch Energieversorger und Wirtschaft.
Was fehlt, ist nicht das Potenzial – sondern die Geschwindigkeit der politischen Umsetzung.
Dazu sagen wir:
„Wer heute den Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Stromspeichern bremst, nimmt in Kauf, dass Oberösterreich morgen stärker von Stromimporten und fossilem Erdgas abhängig bleibt. Die Versorgungssicherheit der Zukunft entscheidet sich nicht in Sonntagsreden, sondern bei den politischen Entscheidungen von heute.“
Wir werden uns daher weiterhin mit Nachdruck für eine konsequente Klima- und Energiepolitik einsetzen. Die gestrigen Warnsignale zeigen eindrucksvoll: Klimaschutz ist heute nicht nur Umweltpolitik. Er ist Wirtschafts-, Sicherheits-, Gesundheits- und Versorgungspolitik zugleich.
Weitere Informationen zu unseren energie- und klimapolitischen Forderungen finden Sie unter:
https://klimaallianz-ooe.at/forderungen
Berichte auf ORF OÖ:
- Ein Drittel weniger Strom aus Wasserkraft (https://ooe.orf.at/stories/3364727/)
- Feuerwehren für Waldbrandgefahr gerüstet (https://ooe.orf.at/stories/3364716/)
- Fischsterben durch Rekordniedrigwasser (https://ooe.orf.at/stories/3364666/)
