Klima-Allianz OÖ kritisiert einseitige Debatte der FPÖ und fordert ehrlichen Kostenvergleich aller Energieformen
Die aktuellen Aussagen von FPÖ-Landesparteiobmann und LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner zur Windkraft in sozialen Medien greifen aus unserer Sicht viel zu kurz. Wer einen „ideologiefreien Gesamtkostenblick“ fordert, muss diesen Anspruch auch tatsächlich einlösen und darf nicht nur über Förderungen für Windkraft sprechen.
Wir begrüßen daher grundsätzlich die Forderung nach einem Gesamtkostenvergleich. Ein solcher Vergleich darf sich jedoch nicht auf Förderungen für Windkraft beschränken.
Während die FPÖ diese für Windkraft kritisiert, verschweigt sie die enormen Kosten fossilen Erdgases: Milliardenbeträge für Energieimporte, Gesundheitskosten durch Luftverschmutzung, Schäden durch die Klimakrise sowie die drohenden Milliardenzahlungen Österreichs bei einer Verfehlung der europäischen Klimaziele.
„Wer einen Gesamtkostenvergleich fordert, darf nicht nur jene Kosten benennen, die ins eigene politische Weltbild passen. Eine seriöse Energiepolitik berücksichtigt auch die Kosten des Nicht-Handelns und die Auswirkungen auf die Wirtschaft.“
Windstrom ist echter Heimatstrom
Besonders irritierend finden wir den von der FPÖ verwendeten Begriff „Heimatstrom“.
Windstrom ist tatsächlich Heimatstrom. Die Windräder stehen in Oberösterreich, die Wertschöpfung bleibt in Österreich und der Wind schickt keine Rechnung.
Viele Wind- und Photovoltaikprojekte werden zudem über Bürgerbeteiligungsmodelle mitfinanziert. Damit profitieren nicht nur Gemeinden und regionale Unternehmen, sondern auch tausende Bürgerinnen und Bürger direkt von der Energiewende.
Ganz anders verhält es sich bei Erdgas. Dieses muss großteils importiert werden – etwa aus Norwegen oder über internationale LNG-Lieferketten. Wer verstärkt auf Gas setzt, hält Österreich in einer kostspieligen Importabhängigkeit und macht unsere Stromversorgung anfälliger für internationale Krisen und Preisschwankungen.
„Wer die Stromversorgung langfristig auf fossiles Erdgas stützen will, hält Österreich in einer kostspieligen Importabhängigkeit.
Wo wirklich Heimat draufsteht: Windstrom entsteht dort, wo wir ihn brauchen – in unserem Oberösterreich.“
Die Klima- und Umweltschäden werden ausgeblendet
In der Debatte über Windkraft werden regelmäßig die Klima- und Umweltschäden anderer Energieerzeugungen ausgeblendet.
Am Beispiel Erdgas: Dabei entstehen erhebliche Belastungen bereits lange bevor das Gas überhaupt in einem Kraftwerk oder Heizkessel verbrannt wird. Die Förderung (insbesondere durch Fracking), der Transport über tausende Kilometer sowie Leckagen entlang der gesamten Lieferkette verursachen erhebliche Umweltbelastungen. Besonders problematisch sind dabei Methanemissionen: Methan ist ein äußerst wirksames Treibhausgas und beschleunigt die Erderhitzung in den ersten Jahrzehnten nach seiner Freisetzung um ein Vielfaches stärker als Kohlendioxid.
Die Folgen spüren wir längst auch in Oberösterreich. Immer häufigere Hitzewellen, Trockenheit, Waldschäden, Ernteausfälle und Starkregenereignisse verursachen bereits heute enorme wirtschaftliche Schäden, die letztlich von der gesamten Bevölkerung getragen werden.
„Wer über die Kosten von Windkraft spricht, muss auch die Umwelt- und Klimaschäden von Erdgas berücksichtigen – von der Förderung über den Transport bis hin zu den Folgen der Erderhitzung. Erst dann entsteht ein ehrlicher Gesamtkostenvergleich.“
Netze und Speicher brauchen wir gerade wegen der Energiewende
Selbstverständlich benötigen wir leistungsfähige Stromnetze, Speicher und ein intelligentes Energiesystem.
Zukunftsfähig ist ein Energiesystem, das auf heimische erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik sowie auf Speicher, leistungsfähige Stromnetze und mehr Energieeffizienz setzt. Nur dieses Zusammenspiel macht Oberösterreich unabhängiger von Energieimporten, stärkt die regionale Wertschöpfung und sorgt für eine sichere, leistbare und klimafreundliche Energieversorgung.
Gerade Oberösterreich hat beim Ausbau der Windkraft jahrelang wertvolle Zeit verloren. Diesen Rückstand müssen wir jetzt aufholen im Interesse einer sicheren, leistbaren und klimafreundlichen Energieversorgung.
Wir fordern einen vollständigen Kostenvergleich
Wir fordern die oberösterreichische Landespolitik auf, endlich einen ehrlichen und vollständigen Vergleich aller Energieformen vorzulegen. Dazu gehören insbesondere:
- sämtliche Förderungen aller Energieformen,
- Kosten für Energieimporte,
- Investitionen in Netze und Speicher,
- Gesundheitskosten durch die Folgen der Erderhitzung,
- Klimaschäden durch Extremwettererereignisse,
- die Kosten einer Verfehlung der österreichischen und europäischen Klimaziele,
- sowie die regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit.
„Wer nur die Kosten von Windkraft nennt, aber über die Kosten fossilen Erdgases und seiner Folgeschäden schweigt, präsentiert kein vollständiges Bild. Eine seriöse Energiepolitik braucht Fakten statt Schlagworte.“
Unser Fazit
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Windkraft Geld kostet. Die entscheidende Frage ist, welches Energiesystem Oberösterreich langfristig am wenigsten kostet — finanziell, ökologisch und gesellschaftlich.
Unsere Antwort ist eindeutig: Mehr erneuerbare Energie bedeutet mehr regionale Wertschöpfung, geringere Klimaschäden, weniger Abhängigkeit von Energieimporten und damit einhergehender Preisschwankungen. Das ist die günstigere, sicherere und verantwortungsvollere Zukunft für Oberösterreich.
Links zu Social-Media-Beiträgen von LH-Stellvertreter und FPÖ-Obmann Manfred Haimbuchner:
https://www.facebook.com/share/r/1E9mCw1pWT/
https://www.instagram.com/reel/DbHwbMJASzQ/
