Presseaussendung:
Kauft das Land OÖ mit dem Flughafen Linz die Katze im Sack? Vor einer Übernahme durch das Land müssen Strategie, Kosten und Nutzen auf den Tisch!
„Negativer Unternehmenswert, Finanzspritzen bis zu 36 Mio. Euro alleine für die Frankfurt-Verbindung, beständiger Passagierrückgang von 15,3 Prozent: bevor das Land OÖ den Flughafen Linz kauft und das wirtschaftliche Risiko bei uns Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern liegt, müssen alle Zahlen und die langfristige Strategie auf den Tisch.
Laut dem von der Stadt Linz beauftragten KPMG Gutachten ist der Unternehmenswert des Flughafens negativ. Selbst der Landesrechnungshof erwartet bis 2035 einen weiteren Finanzierungsbedarf von 27,6 bis 45 Mio. €. Bereits jetzt stellt das Land bis zu 36 Mio. € für die Linz-Frankfurt Verbindung bereit, deren Auslastung laut aktuellem OÖN-Bericht bisher unter den eigenen Erwartungen liegt.
Die angebliche Wertschöpfung von 129 Mio. € betrifft jedoch den gesamten Flughafenstandort und nur 13,6 Mio. € davon „gehören“ direkt zur Flughafen Linz GmbH. Sinkende Flugzahlen um 36% und Passagierzahlen um 15,3% im ersten Halbjahr 2026 zeigen den Trend. Selbst die vom Land selbst beauftragte Cocca-Studie empfiehlt, den Standort „neu zu denken“.
Die Klima-Allianz OÖ fordert vor einer Übernahme:
- Veröffentlichung der (laut Landesrat Achleitner) bereits fertigen Flughafenstrategie
- Offenlegung von Auslastungszahlen und Zuschüssen der Frankfurt-Linz Verbindung
- Unabhängigen Szenarienvergleich bis 2040
- Vollständige Kosten-Nutzen-Rechnung inklusive Klimaauswirkungen
„Jetzt ist der beste Zeitpunkt, den Flughafen Linz neu zu denken damit er wirtschaftlich tragfähig, transparent finanziert und mit den eigenen Klimazielen vereinbar ist.“ Die Klima-Allianz OÖ betont: „Es kann nicht sein, dass wir Steuerzahler für ein Verlustgeschäft zur Kasse gebeten werden und für Bildung, Klimaschutz und Gesundheit das Geld fehlt“
Details und Referenzen:
Klima-Allianz OÖ: 36 Mio. Euro für Frankfurt, weitere Millionenverluste und negativer Ertragswert. Die vermutete wirtschaftliche Bedeutung im Status quo für den Standort ist kein Freibrief für die Fortschreibung des bisherigen Geschäftsmodells
Die Diskussion um eine mögliche vollständige Übernahme des Flughafens Linz durch das Land Oberösterreich macht eine grundlegende Neubewertung des Standorts dringender denn je. Laut dem von der Stadt Linz beauftragten KPMG-Gutachten ist der Unternehmenswert nach der Discounted-Cash-Flow-Methode negativ. Zusätzlich prognostiziert der Landesrechnungshof bis 2035 einen weiteren Finanzbedarf von 27,6 bis 45 Mio. Euro – noch ohne kalkulierte Kosten für die Beseitigung zurückliegender Umweltschäden.
Gleichzeitig stellt das Land für die Verbindung Linz–Frankfurt bereits jetzt bis zu 9 Mio. Euro jährlich beziehungsweise 36 Mio. Euro über vier Jahre bereit. Die Fluggesellschaft DAT erhält diese Mittel zwar nur bei nachgewiesenen Verlusten, erklärte aber selbst, dass diese Absicherung für ihre Bewerbung entscheidend gewesen sei.
„Bevor das Land möglicherweise alleiniger Eigentümer wird und damit letztlich das gesamte wirtschaftliche Risiko bei uns Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern liegt, müssen alle Zahlen und die langfristige Strategie auf den Tisch“, fordert die Klima-Allianz OÖ.
129 Mio. Euro Wertschöpfung sind kein Freibrief für 36 Mio. Euro Flugförderung
Die vom Land Oberösterreich beauftragte Studie von JKU-Professor Teodoro Cocca weist dem gesamten Flughafenstandort eine regionale Bruttowertschöpfung von rund 128,5 Mio. Euro und rund 1.700 Vollzeitäquivalente zu. Die Klima-Allianz OÖ stellt die wirtschaftliche Bedeutung des Standortes daher nicht grundsätzlich infrage.
Die Studie beantwortet jedoch gerade jene Fragen nicht, die für die nun anstehenden Entscheidungen wesentlich sind, denn die Zukunftsstrategien des Flughafens sowie ökologische Kosten-Nutzen-Analysen waren ausdrücklich nicht Gegenstand der Untersuchung. Die Existenz einer künftigen Hub-Anbindung wie Frankfurt wurde vielmehr als Annahme vorausgesetzt.
Auch die häufig genannten 128,5 Mio. Euro Wertschöpfung dürfen nicht mit der Wertschöpfung des Passagierverkehrs oder gar der Frankfurt-Verbindung gleichgesetzt werden. Die Berechnung umfasst den gesamten Wirtschaftsstandort mit Fracht, Logistik, Wartung, Technik und weiteren Unternehmen. Nur rund 13,6 Mio. Euro regionale Wertschöpfung werden direkt der Flughafen Linz GmbH zugerechnet.
„Aus der wirtschaftlichen Bedeutung des gesamten Flughafenstandorts folgt nicht automatisch, dass jede Passagierverbindung wirtschaftlich sinnvoll ist und mit Millionenbeträgen gefördert werden sollte. Genau dieser zusätzliche Nutzen der Linz-Frankfurt Verbindung muss transparent nachgewiesen werden.“
Diese wurde Ende März aufgenommen. Seit Ende April besteht zudem ein Codeshare Abkommen mit Lufthansa, wodurch internationale Anschlussflüge über Frankfurt durchgehend buchbar sind.
Damit sollte nach mehreren Monaten belastbare Zahlen und somit eine aussagekräftige Bewertung der Nachfrage möglich sein. Umso bemerkenswerter ist, dass laut aktuellem Bericht der OÖ-Nachrichten die Auslastung der Frankfurt-Verbindung bisher unter den Erwartungen liegen soll. Für 2026 wird gleichzeitig erneut ein Flughafen-Defizit von rund acht bis neun Mio. Euro erwartet.
Die Klima-Allianz fordert das Land daher auf offenzulegen, wie hoch die durchschnittliche Auslastung der Linz–Frankfurt Flüge ist, wie sie sich seit Einführung des Lufthansa Codeshares entwickelt hat, welche öffentlichen Zuschüsse bislang tatsächlich angefallen sind und ab welcher Auslastung die Verbindung ohne öffentliche Unterstützung wirtschaftlich tragfähig wäre.
Denn das politische Ziel kann nicht sein, eine Flugverbindung dauerhaft zu subventionieren. Das Land selbst hat als Perspektive formuliert, dass die Linie nach der Förderperiode wieder ohne Subventionen auskommen soll.
Passagierentwicklung gibt Anlass zur Sorge
Die jüngsten Zahlen verstärken den Handlungsbedarf. Im ersten Halbjahr 2026 wurden am Flughafen Linz nur 93.706 Passagiere gezählt. Das sind um 15,3% weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit war der Rückgang wesentlich stärker als im österreichischen Durchschnitt.
Die Zahl der Flugbewegungen sank sogar um rund 36%. Zusätzlich wird die Linz-London Verbindung von Ryanair im Herbst bis auf Weiteres eingestellt. Der aktuelle OÖN-Bericht zitiert zudem einen Flughafennsider mit der Aussage, ohne zusätzliche Incoming-Passagiere habe der Flughafen keine Zukunft. Gleichzeitig wird eingeräumt, dass der Aufbau eines entsprechenden Tourismusmarktes Jahre dauern würde.
Ein kurzer Vergleich unterstreicht die besondere Situation: Salzburg verfügt durch internationalen Städte- und Wintertourismus und daher über eine wesentlich stärkere eigenständige Nachfrage, Wien über die Funktion eines internationalen Hubs. Linz kann keines dieser Geschäftsmodelle einfach kopieren. Umso wichtiger ist eine eigenständige Strategie für einen Industriestandort wie Oberösterreich.
Fracht zeitkritische Logistik, Wartung, Technik sowie Aviation- und Aerospacekompetenzen könnten wichtige Zukunftsfelder für den Standort darstellen, doch auch hier braucht es eine nüchterne realistische Analyse. Anfang 2026 verlor Linz beispielsweise die Frachtflüge von Turkish Airlines.
„Die Lösung kann daher nicht einfach lauten, Passagierverkehr durch Fracht zu ersetzen. Untersucht werden muss vielmehr, welche Kombination aus tatsächlich notwendigem Passagierverkehr, Fracht und andere Geschäftsfelder langfristig den größten Nutzen für Oberösterreich bringt.“
Bemerkenswert ist, dass selbst die Cocca-Studie empfiehlt, den Flughafen Linz „neu zu denken“ und seine Bedeutung über die reine Luftfahrt hinauszuentwickeln.
Wo ist die bereits erstellte Flughafenstrategie?
Seit Ende 2025 hat das Land wiederholt die Bedeutung des Flughafens betont, die Cocca-Studie präsentiert, bis zu 36 Mio. Euro für die Frankfurt-Verbindung bereitgestellt und gemeinsam mit Stadt, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung sogar ein Flughafenmanifest beschlossen.
Nun wird auch die vollständige Übernahme des Flughafens durch das Land geprüft.Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner erklärte im OÖ. Landtag bereits am 12. März 2026, externe Expertinnen und Experten hätten 2024 und 2025 eine Flughafenstrategie erarbeitet und diese sei bereits „fertig und in Umsetzung“.
Wenn diese Strategie Grundlage für Förderungen in Millionenhöhe, die Neuausrichtung des Flughafens und möglicherweise sogar die vollständige Übernahme durch das Land ist, müssen zumindest ihre wesentlichen Ziele, Szenarien und wirtschaftlichen Annahmen öffentlich transparent und nachvollziehbar sein.
„Seit Monaten werden weitreichende Entscheidungen getroffen und Millionenbeträge von unserem Steuergeld bereitgestellt. Gleichzeitig bleibt jene Strategie, die laut Wirtschaftslandesrat längst fertig und in Umsetzung ist, für die Öffentlichkeit weitgehend im Dunkeln. Spätestens bevor das Land und somit wir (!) möglicherweise die vollständige Verantwortung für den Flughafen übernimmt, gehört diese Strategie auf den Tisch.“
Klimaziele gehören in jede langfristige Flughafenstrategie
Eine Zukunftsstrategie muss zudem berücksichtigen, dass sich die Rahmenbedingungen für die Luftfahrt grundlegend verändern. Die EU hat für 2040 eine Reduktion der Netto-Treibhausgasemissionen um 90 Prozent gegenüber 1990 festgelegt und muss bis 2050 klimaneutral sein.
Wer heute öffentliche Millionenbeträge in Infrastruktur und Flugverbindungen investiert, muss daher auch beantworten, wie dieses Geschäftsmodell unter den klimapolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der kommenden Jahrzehnte funktionieren soll.
Die vom Land beauftragte Wertschöpfungsstudie kann diese Frage schon deshalb nicht beantworten, weil ökologische Kosten-Nutzen-Aspekte ausdrücklich außerhalb ihres Untersuchungsumfangs lagen.
Gerade eine langfristige Strategie für einen öffentlich getragenen Flughafen sollte daher nicht nur beantworten, wie mehr Passagiere gewonnen werden können, sondern welche Verkehrs- und Geschäftsfelder auch unter den Klimazielen 2040 und 2050 wirtschaftlich tragfähig sein können.
Klima-Allianz fordert Transparenz vor weiteren Millionenentscheidungen
Die Klima-Allianz OÖ fordert daher vor einer vollständigen Übernahme beziehungsweise weiteren langfristigen finanziellen Verpflichtungen vier Schritte:
- Veröffentlichung der Flughafenstrategie: Ziele, Szenarien, wirtschaftliche Annahmen und Entscheidungsgrundlagen der laut Landesrat Achleitner bereits fertigen Strategie müssen öffentlich gemacht werden.
- Transparenz bei der Verbindung Linz-Frankfurt: Auslastung, bisher angefallene Zuschüsse und die wirtschaftlichen Zielwerte für einen künftig subventionsfreien Betrieb müssen offengelegt werden.
- Unabhängiger Szenarienvergleich bis 2040: Verglichen werden müssen das bisherige Passagiermodell und alternative Entwicklungspfade mit unterschiedlich dimensioniertem Passagierverkehr, Fracht und Logistik, Wartung, Aviation/Aerospace, Non-Aviation-Geschäften und leistungsfähiger Bahnanbindung.
- Vollständige Kosten-Nutzen-Rechnung: Neben Wertschöpfung müssen öffentliche Zuschüsse, Investitionsbedarf, mögliche Altlasten, Klimawirkungen und die europäischen Klimaziele berücksichtigt werden.
„Wir wollen die wirtschaftliche Bedeutung des Flughafenstandorts nicht kleinreden. Aber gerade wenn der Standort wichtig ist, darf seine Zukunft nicht von der Hoffnung abhängen, dass irgendwann wieder genügend Passagiere kommen. Jetzt ist der Zeitpunkt, den Flughafen Linz neu zu denken,selbst wirtschaftlich tragfähig zu gestalten, transparent zu finanzieren und mit den eigenen Klimazielen zu vereinbaren.“
Referenzen
Flughafen Linz, Finanzierung und Zukunft
- ORF OÖ – KPMG-Gutachten: Flughafen mit geringem bis negativem Wert
- ORF OÖ – Bis zu 36 Mio. Euro für Linz–Frankfurt-Flüge
- ORF OÖ – Förderung entscheidend für Frankfurt-Flüge
- ORF OÖ – Bericht zum Start der Frankfurt-Verbindung und zur Frachtentwicklung
- Flughafen Linz – Lufthansa-Codeshare für Frankfurt
- OÖ. Landtag – Wortprotokoll vom 12. März 2026 zur Flughafenstrategie und Frankfurt-Förderung
- Aktueller Bericht der OÖ Nachrichten vom 18. August 2026: „Flughafen: Land prüft Gutachten und Übernahme“.
Klimapolitischer Rahmen
Studie von Prof. Cocca
