Sehr geehrte Redaktion,

mit großem Erstaunen verfolgen wir die Jubelmeldungen über das neue Betriebsbaugebiet in Kronstorf. Es ist wahrlich bewundernswert, mit welcher Begeisterung hier der Ausverkauf unserer Heimat als „Meilenstein“ gefeiert wird. Doch werfen wir einmal einen Blick hinter die Hochglanzbroschüren von Google, dm und Co.

Was hier als Fortschritt verkauft wird, ist bei Licht betrachtet ein ökologischer Offenbarungseid:

1. Die Enns-Heizung: Während das Land über Energiesparen philosophiert, darf Google täglich 17,5 Millionen Liter Ennswasser zur Kühlung missbrauchen. Dass dieses Wasser erwärmt zurückfließt, ist ein Geniestreich: Wir kochen die heimischen Fischbestände quasi „sous-vide“ vor. Die wertvolle Abwärme, die zehntausende Haushalte heizen könnte, verpufft ungenutzt, weil man das Thema Fernwärmeleitung auf den „Sankt-Nimmerleins-Tag“ verschoben hat.

2. Die Arbeitsplatz-Mär: Wir opfern 65 Hektar (das sind etwa 90 Fußballfelder!) feinsten Ackerboden für mickrige 250 bis 300 reale Arbeitsplätze. Ein Großteil davon wandert ohnehin nur vom bestehenden dm-Standort im benachbarten Enns herüber. Das ist kein Beschäftigungswunder, das ist eine Versiegelungs-Katastrophe mit Ansage.

3. Der Transit-Wahnsinn: Mit bis zu 552 LKW-Fahrten täglich allein durch dm wird das Steyrtal zur inoffiziellen Ausweichroute für den Schwerverkehr nach Slowenien und Italien. Dass man damit gleichzeitig das Argument für die umstrittene Ostspange Steyr zementiert, scheint kein Zufall zu sein. Wir bauen uns hier eine Transit-Hölle, die unsere Lebensqualität für Generationen im Dieselgestank ersticken wird.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Planer: Boden ist nicht vermehrbar. Wenn der Beton erst einmal gegossen ist, nützt auch das grünste Werbeplakat nichts mehr. Ob uns diese Handvoll Jobs den Ruin des Steyrtals, die Aufheizung der Enns und den Verlust unserer Ernährungsgrundlage wert sind, darf stark bezweifelt werden.

Die Quittung für dieses „Schnäppchen“ werden nicht die Konzernchefs, sondern wir und unsere Kinder bezahlen.

Hochachtungsvoll,

Harald Müllner