Infrastruktur-Landesrat Günter Steinkellner kritisierte anlässlich 1 Jahr Klimaticket den ausbleibenden Lenkungseffekt des Klimatickets, das es nicht gelungen ist, PendlerInnen zum Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen.

Natürlich lässt sich auch die Einschätzung des OÖVV nachvollziehen, dass ohne Öffi-Angebot man nicht mit diesen fahren kann, ein Ausbau dieser unerlässlich für den Erfolg des Klimatickets sei.

Das teuerste Bundesland-Ticket

Dabei ist festhalten, dass das Klimaticket OÖ ohne die Kernzonen 365 Euro kostet, mit der Kernzone Linz sind es 620 Euro, mit allen drei Kernzonen (Linz, Wels, Steyr) sind es 695 Euro. Das ist mit Abstand das teuerste Klimaticket auf Bundesland-Ebene! So kostet das Klimaticket für Niederösterreich und das Burgenland gemeinsam aktuell 550 Euro, ab dem 1. November wird es 10% günstiger! Auch die Steiermark senkt ab 2023 die Ticketpreise um 120 Euro auf nur mehr 468 Euro.

Falsche Anreize

Was macht das Land Oberösterreich? Statt Preisreduktionen für Öffi-Tickets werden Pendler mit der Erhöhung der Fernpendler-Pauschale weiter auf Individual-Verkehr „getrimmt“! Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass Fernpendler in der Regel besser Verdienende sind während die sozial Schwächeren wohl kaum längere Arbeitswege für einen schlecht bezahlten Job auf sich nehmen. Eine Vergünstigung der Öffi-Tickets und ein Ausbau der Öffis wären also ein wirksames Mittel zum Ausgleich der gestiegenen Mobilitätskosten des Individualverkehrs.

Im Sinne eines Anreizsystems fordert die Klima-Allianz OÖ daher:

  • Reduktion der Kosten für das Klimaticket OÖ zB. geringeren Aufpreis der Kernzonen bzw. durch Inkludierung der Kernzonen für das nächste Jahr
  • Ausbau der Öffi-Verbindungen, insbesondere zu den Tagesrandzeiten und am Wochenende (hier sind auch die Ausflugsziele besonders einzubeziehen)
  • Weitere Anreize wie zB. das Erwachsene Klimaticket OÖ-Besitzer am Wochenende ihren Partner gratis mitnehmen dürfen
  • Ein auf den Partner übertragbares Klimaticket OÖ (ggf. mit einem Aufpreis)
  • Gratis bzw. vergünstige Fahrrad-Mitnahme und Ausbau der Fahrrad-Mitnahme-Möglichkeiten, insbesondere auch bei Bussen.
  • Generell ein (einmaliges und sehr günstiges) Schnupper-Monats-Ticket, um das Angebot ausprobieren zu können

Über Jahrzehnte wurde über den Ausbau der Straßen einseitig den PKW-Verkehr gefördert, nun ist es höchste Zeit, die dadurch ständig steigenden CO2-Emissionen in Griff zu bekommen. Den der Verkehrsbereich ist der einzige Sektor in Österreich, in dem die Emissionen seit 1990 kontinuierlich gestiegen sind!

Die Verkehrswende und die Klimaziele

Entsprechend des EU-Green-Deals muss Österreich – und damit Oberösterreich – die CO2-Emissionen bis 2030 um rund 50% senken. Bei einer gleichmäßigen Verteilung braucht es also auch im Verkehrssektor in den nächsten 8 Jahren ebenfalls eine Reduktion um 50%. Natürlich muss der Anteil an emissionslosen PKWs erheblich gesteigert werden, aber zu meinen, dass das reicht, ist falsch. Es braucht auch einen massiven Ausbau der sanften Mobilität, wozu neben Radverkehr insbesondere dem öffentlichen Verkehr erhebliche Bedeutung zukommt. Die Zunahme des Verkehrs ist kein Naturgesetz, sondern Ergebnis der Rahmenbedingungen und Förderung durch die öffentliche Hand. Eine Verkehrswende ist unabdingbar, um die Klimaziele zu erreichen. Diese sind kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung, um auch den nächsten Generationen ein (Über)Leben zu ermöglichen. Der wärmste Oktober heuer in der Messgeschichte in Österreich sollte uns Mahnung dazu sein, dass wir die erklärten Klimaziele der Regierung auch mit Leben erfüllen müssen!

Im November soll der Klimaschutzplan der OÖ-Landesregierung veröffentlich werden. Wir hoffen, dass darin dem Verkehr ausreichend Platz & Maßnahmen gewidmet sind und dieser insgesamt geeignet ist, die Vorgaben des EU-Green-Deals, des Pariser Klima-Abkommens und des Regierungsabkommens zu erfüllen!

Quelle: Umweltbundesamt – Klimaschutzbericht 2021

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