Letzte Woche, am Freitag, den 25. März fanden wieder weltweit von Fridays For Future organisierte Klimastreiks statt und ich würde gerne ein paar Worte dazu sagen.

Ich bin jetzt sechzehn Jahre alt, besuche die 6. Klasse eines Gymnasiums, mach gern Musik und liebe es unterwegs zu sein.  Seit zwei Jahren bin ich außerdem bei Fridays For Future aktiv. So cool dass ich mich fürs Klima einsetze, nicht wahr? So super, dass die Leute auf der Straße demonstrieren, so hipp.

Nein.

Die letzten Wochen waren anstrengend, auslaugend und kräftezehrend. Jeden Tag standen unzählige Telefonanrufe am Programm, ich überlegte beim Schreiben von Presseaussendungen, wie ich die Worte am treffendsten formulieren könnte, damit die Menschen die unendlich wichtige Botschaft dahinter verstehen würden, organisierte eine Pressekonferenz, feilte bis spät in die Nacht an Redetexten, arbeitete mit anderen Aktivist*innen das Demoprogramm aus, sah alle im Team volle Kanne arbeiten und träumte im Schlaf von Politikern die uns auslachten, während wir unfähig waren, auch nur ein Wort zu sagen. Dann las ich noch von Rekordtemperaturen in der Antarktis und einem Waldbrand in einem Schigebiet, während bei mir in der Nachbarschaft die Bauern und Bäuerinnen wahrscheinlich bald wieder Brunnen bohren müssen, weil ihnen das Wasser für die Landwirtschaft ausgeht.

Nebenbei ging ich auch noch in die Schule, versuchte die Hausaufgaben alle so halbwegs unter ein Dach zu kriegen und schrieb Schularbeiten und Tests auf gut Glück, in der Hoffnung, dass schon alles gut gehen würde.

Und dann war der große Tag gekommen: Das Herz bis zum Hals klopfen spüren. Nervös mit den Menschen aus dem Organisationsteam reden, sich gegenseitig Mut zusprechen. Die Menschen sehen, sich freuen, und bangen, ob es ausreichen würde. „Es ist fünf nach zwölf!“, schreit Franzi zum Start ins Mikro, „Wir brauchen jetzt Klimaschutz!“. Tausende Menschen. Ja, wir können was bewegen, hab ich mir gedacht.

Und jetzt, zwei Tage später sitz ich da. Was, wenn nichts geschieht? Mist, die Leute sehen doch was passiert! Was, wenn die Politik jetzt weiter blindlings an die Wand fährt? Niemand scheint zu verstehen. Alles ist so kompliziert und verwickelt. Ich habe schreckliche Angst. Ich weiß, wir Klimaaktivist*innen sollten uns mutig geben und Hoffnungsträger*innen sein. Aber die Angst, die geht nie weg. Wenn man einmal weiß, was auf dem Spiel steht, kann man das nicht mehr vergessen. Ständig hab ich das im Hinterkopf. Ständig schreit da eine warnende Stimme und schlägt Alarm. Wie soll ich mich da auf die Englischschularbeit am Mittwoch konzentrieren?

Wisst ihr, jeden Morgen, wenn ich aufstehe, sehe ich den Wald von meinem Zimmerfenster aus. Es ist ein schöner Wald. Manchmal werde ich von der Sonne geweckt, manchmal vom Vogelgezwitscher und hin und wieder von den Regentropfen, die eine leise Melodie aufs Dach trommeln. Im Winter pfeift oft der Wind ums Haus und am schönsten find ich es dann meistens, unter sternenklarem Himmel über die schneebedeckten Felder zu spazieren und die eisige Luft einzuatmen. Als kleine Kinder haben meine Geschwister und ich die Eissterne am Fenster bewundert und auch heute noch sehe ich gerne meinem jüngsten Bruder zu, wie er sich die Nase an der Fensterscheibe plattdrückt und ins Schneegestöber hinausblinzelt.

Ich wünsche mir, dass meine Kinder und Enkelkinder diese für uns so selbstverständlich wirkenden Wunder erleben dürfen. Ich wünsche mir, dass die Dringlichkeit zu handeln verstanden wird. Ich wünsche mir, dass die Vorhersagungen vom  IPCC–Bericht (Weltklimabericht) nicht eintreten und uns Menschen eine wunderschöne, gerechte und friedvolle Zukunft erwartet, in der alle glücklich und zufrieden zusammenleben.

Ich wünsche es mir. Und daran werde ich festhalten, möge kommen was wolle. Ich werde nicht klein beigeben, weil das nämlich keine Option ist. ich werde weiter auf die Straße gehen, weil ich weiß, dass laut und lästig sein etwas bringt, weil ich weiß, dass wir viele sind und gemeinsam vieles schaffen können.

 Danke, dass ihr bis hier gelesen habt. Das hier ist jetzt euer Zeichen. Kommt mit in eine lebenswerte Zukunft.

Lea M.

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